Für die Ausstellung „Fritz Schwegler“ in der Kunsthalle Mannheim vom 11.11.2016 bis zum 08.01.2017 konzipierten und realisierten Musikdesignstudierenden die klangliche Komponente.

Unter dem Motto „Auditive Stolpersteine“ beschäftigte sich die Projektgruppe mit dem Museum als akustischen Raum für neue Hör- und Sichtweisen. Hierfür entwickeln sie ganz unterschiedliche musikalische Formen – von experimentellen Klangstücken bis hin zu einzelnen Soundfragmenten – die beim Besucher zu Verwirrung, Rätsel oder auch Verstärkung von räumlichen Wahrnehmungsprozessen führen können.

Im Mittelpunkt der studentischen Arbeiten stand einerseits der Anspruch von Schwegler erdachte Konzepte bzw. Verfahrensweisen auf einer auditiven und räumlichen Klangebene weiterzudenken und andererseits haben sich die Studierenden mit dem Selbstverständnis Schweglers als Künstler, Mensch und Lehrer und dessen Übertragung auf sein Werk auseinandergesetzt. Das Prinzip des „Verrückungspotential“ als zentraler Begriff Schweglers nahmen die Studierenden als Aufhänger um mit veränderten Wahrnehmungsformen zu spielen, akustische Perspektiven zu verrücken und zu verändern. Ziel war das subtile Aufzeigen der Vielschichtigkeit als Neben- und Miteinander von visuellen, akustischen und räumlichen Erscheinungen – bewusster und unbewusster Natur – innerhalb eines Museums und innerhalb des Wahrnehmungshorizonts eines Ausstellungsbesuchers.

Die Arbeiten der Studierenden begleiteten die Besucher während des gesamten Museumsaufenthaltes und reichten von realistischen Soundscapes zu den Skulpturen von Fritz Schwegler im Eingangsbereich der Kunsthalle über kleinere Irritationen durch gezielt eingesetzte Soundeffekte bis hin zu (ver-)störenden Eingriffen in alltägliche, aber unbewusste Klänge z.B. von Lüftungsanlagen und damit in museale Realitäten.

Der Begriff „Stolperstein“ ist der gleichnamigen Arbeit Gunter Demings von 1992 entlehnt. Die auditiven Stolpersteine sind durch Dezentralität, Irritation und subtile Implantation charakterisiert; sie sind selbst zu erschließen. Diese „Discoverables“ fügen sich in den halböffentlichen, akustischen Raum der Kunsthalle Mannheim ein und können als Klammer für den Klangraum Fritz Schweglers fungieren. Sie drängen sich nicht auf, sie geben höchstens Hinweise und dienen als Fingerzeig. Die Besucher der Kunsthalle wurden eingeladen, selbst zu entdecken, ihre Hörumwelt neu kennenzulernen und ihre Hörgewohnheiten und -perspektiven zu hinterfragen.

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